Krisenmanagement im Amari Watergate Hotel
22. Juli 2010 | Von Tina Oerlecke | Kategorie: Artikel BangkokEin Blick zurück mit dem General Manager Pierre-André Pelletier

Pierre-André Pelletier arbeitet bereits seit 2002 in der Position als Generalmanager im Amari Watergate Hotel in Bangkok. Anfang der 1990er Jahre begann er für die Amari Hotel- und Resortgruppe tätig zu sein und lebte zwischen 1996 und 2000 in Pattaya, wo er als General Manager das Amari Orchid Resort leitete. Während dieser Zeit, genau im Jahre 1998, erhielt der gebürtige Schweizer als damals jüngster Hotelier den Titel des „Best Young Hotelier Of The World“ von der International Hotels & Restaurants Association verliehen.
(FA15/2010) Ein ganz normaler Arbeitstag beginnt für Pierre-André Pelletier, dem General Manager des Amari Watergate Hotels in Bangkok, immer um 5.00 Uhr in der Früh. Für einen guten Start in den Morgen nimmt sich der Manager noch die Zeit für eine energiespendende Meditation, bevor er dann seinen 17-Stundentag beginnt. Doch Pierre ist mit dem Herzen dabei, und es dürfte wohl kaum jemanden geben, der ihm schon einmal ohne sein allseits bekanntes sympathisches Lächeln über den Weg gelaufen ist.
Dieses Lächeln und die Freude an seinem Beruf sind ihm auch während und nach den schweren Unruhen dieses Jahres in Bangkok nicht vergangen. In der ersten Phase zwischen Anfang April und Mitte Mai erschien die Situation dem Manager noch sehr entspannt. „Die friedlichen Demonstrationen unter Gesängen glichen eher einer Karnevalsveranstaltung als einem bedrohlichen Szenario“, erzählt Pierre-André Pelletier. Und er muss es wissen, denn das Amari Watergate Hotel ist downtown, an der Petchburi Road, gelegen und befand sich damit im Brennpunkt des Geschehens. „Wir waren in der ersten Phase auch weiterhin gut besetzt. Sowohl mit Gästen als auch mit Angestellten“, so der GM. Vielleicht gab es nicht mehr die gut 900 Hotelbesucher pro Tag, aber doch immer noch um die 500, für die eben auch weiterhin die ungefähr 800 Beschäftigten des Hotels zur Verfügung standen. „Wir hatten während dieser Zeit auch weiterhin Hochzeiten und einige Seminare im Hotel.“
Obwohl die Sicherheit der Hotelbesucher, des Hotelpersonals sowie seine persönliche für den gelernten Hotelier nie eine Frage war, wurde zur Vorsorge und zur Beruhigung aller verschärft auf die sichere Beherbergung geachtet. So wurde unter anderem der Eingang abends geschlossen, und im besonderen Falle kamen auch Scanner zum Einsatz. „Thailand ist eben immer noch das Land des Lächelns, aber mittlerweile auch das des Krieges“, fasst er zusammen. Angst hatte er kein einziges Mal, denn als Bedrohung für das Hotel empfand er die Thailänder zu keinem Augenblick. „Darum haben wir über die Dauer der Unruhen auch an keinem Tag geschlossen, worauf ich auch sehr stolz bin“.
Erst mit dem Eintreten der „Heißen Phase“ am 14. Mai, die allerdings nur über knapp sechs Tage andauerte, passte das Krisenmanagement sich schnell den Gegebenheiten an und reagierte im angemessenen Rahmen. Obwohl die wirklich schwerwiegende Eskalation zwischen den Demonstrierenden und dem Militär sich vornehmlich auf den Lumpini Park bezog, wurden von dem Management keine weiteren Reservierungen mehr angenommen, um eine mögliche Gefährdung von Personen zu vermeiden. Lediglich die hartgesottenen Journalisten großer Fernsehsender und Zeitungen fanden bei dem General Manager die geeignete Unterkunft, um „hautnah“ am Geschehen zu sein und für die Öffentlichkeit zu berichten. Das Personal wurde währenddessen auf 60 Angestellte minimiert. „Wir haben jedoch niemanden aufgrund der unsicheren politischen Lage entlassen. Eine Vielzahl der Angestellten musste für diese Tage jedoch Urlaub nehmen, der ihnen allerdings auch wie normal und üblich bezahlt wurde“, ergänzt Pierre-André Pelletier.
Der stärkere Einsatz von Sicherheitskräften sowie das Lichtausschalten am Abend waren in dieser Woche, in der die Situation am Brodeln war, dennoch mit an der Tagesordnung. Als „Kapitän des Schiffes“ blieb der General Manager ohne Unterbrechung vor Ort und sorgte für eine reibungslose Versorgung seiner Crew und den gut 50 Gästen, die ständig auf der Suche nach den besten Bildern für ihre Stories waren. „Selbst die Ware haben wir über die Checkpunkte ohne Probleme rein bekommen“, erzählt der „Kapitän“ des Amari Watergates. Glücklich schätzt er sich auch über das Vertrauen und die Treue, welche ihm sein Personal entgegen gebracht hat. Ohne Murren haben sie zum Hotel und ihrem Chef gehalten und ihn unterstützt. Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt, denn auch ein Top-Manager kann in der Krise nur dann bestehen, wenn er nicht allein auf weiter Flur steht und mit der Verlässlichkeit seiner Beschäftigten rechnen kann, woran Pierre-André zu keiner Zeit zweifelte.
Nachdem sich die Tumulte in Bangkok wieder gelegt hatten, konnten weder Sachschäden an dem Gebäude ausgemacht noch Angriffe auf das Hotel verzeichnet werden. Zerstörungen, wie im Fall des CentralWorld-Einkaufszentrums, kann der Krisenmanager nur als „traurig für das Land“ beschreiben.
Mittlerweile sind wieder um die 600 Gäste im Hotel, was kein schlechter Durchschnitt für die Nebensaison ist, und verbringen dort ihren Bangkok-Aufenthalt. Darunter vornehmlich Geschäftsleute, die Thailand und seine Eigenheiten kennen und sich von den innenpolitischen Streitigkeiten nicht abschrecken lassen. „Together We Can!“, weiß auch Pierre-André Pelletier, der sein Hotel erfolgreich durch die Krise gemanagt hat.






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