Mangokäsekuchen, Cashewnusswein und Natur pur
15. März 2010 | Von Michael Lenz | Kategorie: Artikel Thailand(FA06/2010)
Ein gemütlicher Spaziergang am Strand von Khao Lak

Wild-romantisch und garantiert frei von Massentourismus ist die Landschaft rund um den Stausee von Khao Sok.
Olaf Schomber weist mit einer ausladenden Armbewegung über den endlos langen Sandstrand von Khao Lak, über die dicht bewaldeten Berge von Phang Nga, die sich kurz hinter der Küste erheben und sagt mit einem glücklichen Lächeln: „Ist das nicht schön hier? In der Nebensaison habe ich das alles für mich alleine.“
Aber auch an diesem Vormittag des Heiligabends haben Schomber und seine Hündin Chichi den Strand fast für sich. Nur wenige Urlauber genießen Sonne, Sand und Wellen, was nur bedingt daran liegt, dass auch Khao Lak in dieser Hauptsaison mit der Krise zu kämpfen hat. Vielmehr hat es damit zu tun, dass es keine Liegestühle und Sonnenschirme gibt. Gefaulenzt wird an den Pools der Hotels, von denen so manche direkt am Meer liegen.
Schomber lebt seit 15 Jahren in Khao Lak, wo sich der ehemalige Kundenbetreuer einer Bank mit seinem Unternehmen „Khao Lak Guide“ selbständig gemacht hat. Mit dem Berliner über den Strand zu spazieren ist ein Vergnügen, weil man seiner Art, Geschichten über Khao Lak und seine Menschen zu erzählen anmerkt, wie sehr er seine Wahlheimat liebt, und weil er aus unscheinbaren, ja unauffälligen Details einen bunten Bilderbogen zu machen versteht.
Kein Dreck, sondern Zinn
Zum Beispiel aus den schwarzen Schlieren im Sand. „Das ist kein Dreck, wie manche Touristen glauben“, sagt er, „sondern Zinn.“ Und ist sofort bei der Vergangenheit der Provinz Phang Nga und des benachbarten Phukets mit seinen Zinnminen, die der Region Ende des 19. Jahrhunderts Wohlstand beschert haben und die Tausende Chinesen als Arbeiter in den Zinnminen anzogen, deren Nachfahren bis heute Phang Nga und Phuket prägen.
Am Südende des Strands zeigt Schomber auf dichtes Gestrüpp und sagt: „Kommen Sie, ich zeige ihnen mal, wie schnell hier alles wächst.“ Hinter dem Gestrüpp, unbemerkt von den Badenden im Meer und den Urlaubern im feinen Hotel gleich nebenan, verfällt eine Hotelanlage, die mal als Luxusresort geplant war, aber kurz vor Fertigstellung am Zweiten Weihnachtstag 2004 von dem Tsunami zerstört wurde. Schomber ist fasziniert davon, wie sich die Natur in den nur fünf Jahren ihr Terrain zurückerobert hat. Bäume, Büsche, Bambus wuchern, Schilf wächst aus dem Pool, in dem sich tierisches Leben breit gemacht hat, die Ruine verwandelt sich allmählich in ein verwunschenes Zauberland.
Überhaupt der Tsunami. Der ist in Khao Lak überall und immer präsent. Die meisten Thais und Expats, die heute in Khao Lak leben, wie auch viele der hauptsächlich deutschen und skandinavischen Urlauber, waren auch an dem schrecklichen Tag vor fünf Jahren da, haben den Tsunami überlebt, aber auch viele, viele Freunde, Gäste, Familienangehörige verloren. Dass Khao Lak, wo in der Welle mehr als 5000 Menschen umgekommen waren und wo kein Stein mehr auf dem anderen stand, ein Comeback geschafft hat, hat das Ferienparadies zwei Umständen zu verdanken: dem Willen zum Leben der Überlebenden und der ungeheuren Treue seiner Gäste.
Vermutlich keine andere Urlaubsregion Thailands hat einen so großen Bestand an Stammgästen wie Khao Lak, das fast ausschließlich in deutscher und skandinavischer Hand ist. Heinz und Helga sind solche Stammgäste. Die beiden Rentner aus Oberkirch im Schwarzwald waren von dem Tsunami fortgerissen worden, trieben mehr als eine halbe Stunde in den tosenden Wassermassen, wussten nicht, ob sie überleben würden, waren nackt, als der Tsunami sie doch freigab. Aber ein Jahr später waren sie wieder in Khao Lak.
Bei einem Gläschen Cashewnusswein in „Jui’s Café“ in Khao Lak gesteht Helga: „Als wir Weihnachten 2005 wiederkamen, hatte ich erst ein mulmiges Gefühl.“ Aber sie nennt zwei Gründe für ihre Rückkehr nach Khao Lak und spricht damit allen Stammgästen aus dem Herzen: „Das war für mich wichtig, um über das Trauma hinwegzukommen.“ Und: „Hier unser Geld auszugeben ist doch die beste Weise, den Thais hier zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen.“

Olaf Schomber lebt seit 15 Jahren in Khao Lak und betreibt das Unternehmen „Khao Lak Guide“.
„Khao Laberkak“
Mit einem Schmunzeln erzählt Schomber von dem Spitznamen, den ein Freund, der in dem Tsunami umgekommen ist, Khao Lak gegeben hat: Khao Laberkak, weil doch an einem Ort, der so viele Stammgäste hat und wo so viele Expats leben, Klatsch und Tratsch blühen. Wer wissen will, was in Khao Lak los ist, der ist in „Jui’s Café“ am richtigen Ort, wo sich am späten Nachmittag und am Abend Leute zum Bier und zum Schwätzchen einfinden. Oder zum Kuchen essen. Denn Jui, Schombers Gattin, ist eine begnadete Bäckerin. Die Thai-Chinesin ist durch die in dem Tsunami umgekommene Österreicherin Marianne zum Backen gekommen und hat diese europäische Küchenkunst zu ihrem Hobby und Geschäft gemacht. Eines ihrer Meisterwerke ist der Mangokäsekuchen, für den sie gar den Quark selber herstellt. „Quark gibt es hier doch nicht zu kaufen“, sagt Jui.
Olaf erzählt besonders von seiner großen Liebe Khao Lak und den Touren, die er anbietet. Darunter sind Klassiker, wie Ausflüge in die Phang-Nga-Bucht oder auch abenteuerliche Ausflüge im Mini-Longtailboat durch die unbekannte Welt der Mangroven. Richtig ins Schwärmen aber gerät Schomber, wenn er von „seinem“ Khao-Sok-Stausee spricht. Die hohen Berge und der dichte Dschungel rund um den riesigen See sind die Heimat vieler Tiere. Elefanten gibt es im Khao-Sok-Nationalpark, aber auch Nashornvögel, Makaken, Tiger und Leoparden. Nur eine Spezies fehlt, versichert Schomber Interessenten an der Tour: „ Auf dem See gibt es keine Mücken!“
Michael Lenz










