Gehen in Pattaya bald die Lichter aus?
15. Februar 2010 | Von Björn Jahner | Kategorie: Artikel Pattaya(FA04/2010)
Polizei kündigt Razzien im Rotlicht-Milieu an

Die Polizei vermutet, dass viele junge Damen in Pattaya gegen Bares sexuellen Diensten nachgehen.
Die thailändische Polizei teilte kürzlich dem lokalen Nachrichtenblatt Pattaya Times mit, dass in den Monaten Februar und März in Pattaya zahlreiche Razzien in Amüsierbetrieben wie Gay Bars, Bierbars und A-Gogo-Etablissements durchgeführt werden. Dabei steht vor allem die als illegal erklärte Erhebung einer so genannten „Barfine“, in Deutsch Auslösesumme, im Visier der ermittelnden Beamten. Die Zahlung dieser Auslösesumme ermöglicht Angestellten in Amüsierbetrieben, die Lokalität für „short time“, einer kurzen Zeitspanne von mehreren Stunden oder „long time“ für eine ganze Nacht, in Begleitung eines zahlenden Kunden zu verlassen. Die Polizei vermutet, dass diese Rendezvous zwischen leichten Mädchen beziehungsweise Jungen und zumeist Touristen sexuellen Diensten dienen.
Drohung: Visa-Entzug und Abschiebung
Das besondere Interesse der ermittelnden Beamten ist herauszufinden, wer diese „Barfine“ begleicht und wer dadurch verdient. Handelt es sich beim Letztgenannten um einen Ausländer, müsse dieser nach Angaben der zu ermittelnden Behörden mit einem Visa-Entzug und einer Abschiebung aus dem Königreich rechnen. Aber auch thailändische Betreiber eines Rotlicht-Etablissements sollen belangt werden. Kann die Polizei ihnen die Erhebung einer Auslösesumme nachweisen, droht den Betroffenen eine Haftstrafe wegen Prostitution. Auch wenn man diese Androhung bei einem Rundgang durch den lokalen Sündenpfuhl für einen schlechten Scherz hält: Das Anbieten sexueller Dienstleistungen gegen Bares gilt in Thailand als illegal und wird laut Gesetz hart bestraft.
In Kürze soll sogar ein eigenes Interpol-Büro in Pattaya eröffnet werden. Die hiesige Polizei hat sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe dieser internationalen Zusammenarbeit über 2.000 kriminelle, in Pattaya lebende Ausländer zu verhaften und in das jeweilige Heimatland zu überführen. Drew Noyes, dreimaliger Vorsitzender des Expat Clubs, Inhaber der PAPPA-Rechtsberatung und Geschäftsführer der Pattaya Times, rät ausländischen Bar-Investoren sicherzustellen, dass ihr Amüsier-Etablissement in keine illegalen Aktivitäten verstrickt ist.
Meinungen aus der Szene
Doch was sagen die Akteure der Rotlicht-Szene zu den Plänen der Gesetzeshüter? DER FARANG begab sich in das lokale Rotlichtmilieu und befragte mehrere im Unterhaltungsgeschäft agierende Ausländer nach ihrer Meinung.
Ein englischsprachiger Barbetreiber bekräftigte, dass auch er von der Ankündigung der Polizei erfahren habe. Auf die Frage, ob er sich um seine Zukunft in Thailand sorge, antwortete er: „Nein, denn ich habe gute Kontakte zur lokalen Polizei. Mir wurde lediglich empfohlen, mich ruhig zu verhalten und abzuwarten.“ Ein anderer, deutscher Inhaber eines Unterhaltungsetablissements gibt sich überrascht. Bisher habe er noch nichts von den beabsichtigten Aktionen der Polizei gehört. Er ergänzt: „Ich halte das für einen schlechten Scherz. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die zu ermittelnden Beamten wirklich jedes Etablissement in Pattaya überprüfen.“ Hingegen ziemlich unbeeindruckt von den polizeilichen Androhungen zeigt sich ein deutschsprachiger Investor aus dem A-Gogo-Gewerbe: „Das ist doch alles alter Käse und war alles schon mal da gewesen. Doch geändert hat sich nie etwas.“ Er betrachtet die erhobene „Barfine“ ohnehin als eine Art Ersatzeinkommen für die Tänzerinnen in den Clubs. Ein befragter Barbesucher denkt einen Schritt weiter und vermutet: „Treffen wird es sowieso nur jene Barbesitzer, die Geldforderungen gewisser Behörden nicht Folge leisteten.“ Auch ein Gespräch mit hiesigen Polizeibeamten zeigte, dass viele Polizisten der Touristenmetropole nichts über das geplante Vorgehen der Bangkoker Kollegen wissen oder gehört haben wollen. Die Nachfrage rief bei den Gesetzeshütern nur ein typisch thailändisches Lächeln hervor…
Eines ist sicher: Würde Pattaya um seine fragwürdigen Unterhaltungsbetriebe erleichtert, hätte das Folgen für das gesamte Gastgewerbe, und es würde sprichwörtlich das Licht ausgehen in der ansonsten grell leuchtenden Touristenmetropole.
Björn Jahner



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