Ein thailändischer Sportwagen der Luxusklasse für den ohnehin schon arg bedrängten Weltmarkt?

5. Januar 2010 | Von Lothar W. Brenne-Wegener | Kategorie: Rund ums Fahrzeug

(FA01/2010)

Der „Magnate P708“ - Konkurrenz für die Modelle der europäischen Sportwagenhersteller?

Auf der Bangkoker Automobil-Expo 2009 wird der „Magnate P708“ vorgestellt. – Er soll die europäische Sportwagen-Automobilindustrie herausfordern.

Wow, das ist er also? – Mit diesem Produkt will Thailand zukünftig in die Riege der asiatischen Automobilhersteller einsteigen und mit dem „Magnate P708“ auch sogleich der Spitzenklasse der europäischen Sportwagenhersteller wie Ferrari, Porsche oder Maserati Konkurrenz machen? Seine vielbeachtete Weltpremiere konnte der Prototyp des neuen Flitzers zumindest schon einmal auf der 26. Thailand International Motor Expo 2009 in den Hallen des Muang Thong Thani Impact in Bangkok feiern. Und was sich dort dem verwöhnten Auge des Sportwagenliebhabers bot, war schon einmal sehr beeindruckend und vielversprechend. Eines kann man deshalb jetzt schon mit Bestimmtheit sagen, der „Magnate P708“ ist ein echter „Hingucker“. Wo er demnächst auftaucht, wird er garantiert Aufsehen erregen. Dazu trägt schon allein sein elegant sportliches Design bei, und hier sind es vor allem die zwei Kamelhöckern ähnelnden Überrollvorrichtungen hinter Fahrer und Beifahrer, sowie die sich hydraulisch seitlich nach oben öffnenden Flügeltüren, die allerdings für ein Aussteigen in einem engen Parkhaus weniger geeignet sind. Für diesen unwahrscheinlichen Fall sollte der Fahrer noch beweglich genug sein, sich mit einem eleganten Hechtsprung über die geschlossenen Türen zu schwingen. Aber, nur die Ruhe, Fahrzeuge wie diese, wird man ohnehin weniger in Parkhäusern antreffen, als auf Golfplätzen oder den wenigen Parkplätzen an den Haupteingängen jener großen internationalen Hotels, die sich immer wieder gerne mit solch noblen Karossen schmücken.

Blick ins funktionale Cockpit des „Magnate P708“. Dieses Modell mit Linksteuerung ist für den europäischen Markt gedacht.

Der Präsident der Cobra International Co, Ltd., Mr. Vorapant Chotikapanich, und der US-Amerikaner Mr. Kevin Gallahan haben bereits Ende November bekanntgegeben, eine neue Firma, die BOI Company, gegründet zu haben, die in Thailand Automobile unterschiedlicher Typen sowohl für den heimischen Markt, als auch für den Export herstellen will. Für den Bau des „Magnate P708“ wurde die Magnate Automotive Group Limited gegründet, die dessen Vertrieb auf dem Weltmarkt übernehmen soll. Innerhalb von drei Jahren von einer internationalen Gruppe von Profis aus dem Automobilsport entworfen, hat der „Magnate P708“ bereits jetzt schon Automobilgeschichte geschrieben, nämlich als der erste, in Thailand gebaute Sportwagen, der es demnächst mit der millionenschweren US-Dollar-Konkurrenz aus Europa aufnehmen soll.

Dabei haben sich die Autobauer ehrgeizige Ziele gesetzt: Etwa in einem Jahr sollen die ersten Exemplare ausgeliefert werden können, und das zu einem Preis von nur einem Bruchteils dessen, was die europäischen Statussymbole ihre Interessenten kosten. Marc Duboc, einer der Design Engineers, beziffert die Kosten pro Exemplar auf geschätzte 200.000 Euro. Genau könne man das aber erst später festlegen, denn noch handele es sich bei der Präsentation lediglich um den Prototyp. Während das Design in erster Linie auf europäische Konstrukteure zurückgeht, sind Chassis und Innenraum weitgehend thai-ländischen Ursprungs. Der bei Chevrolet in den USA entwickelte und gefertigte 7 Liter- Aluminium-V8-Motor mit seinen 530 PS soll dem Renner, dessen Karosserie aus Carbon Fiber besteht, eine Höchstgeschwindigkeit verleihen, die über der eines Ferrari liegt. Wahlweise soll der Motor auch mit einer 7 Liter-Twin-Turbo-Version angeboten werden, die es auf stolze 750 PS bringen wird. Die sich aufdrängende, aber gleichwohl schnöde Frage nach dem Verbrauch pro gefahrener 100 Kilometer stellt sich nicht, denn wer 200.000 Euros für solch einen Wagen ausgibt, lässt sich durch steigende Spritkosten wenig beeindrucken. Auch die Frage nach dem Dach haben die Konstrukteure bisher unbeantwortet gelassen. So kommt der „Magnate P708“ bisher noch ohne „Kopfbedeckung“ daher, was ihn damit augenblicklich noch eher für die autobegeisterten Wüstensöhne der Golfregion interessant machen dürfte, als für den von den Wetterbedingungen nicht ganz so unabhängigen Rest der Welt. Dort gelten allerdings ohnehin andere Bezugsbedingungen, die eher etwas mit Exklusivität oder streng limitierter Auflage zu tun haben.

Die Rückfront des „Magnate P708“ lässt etwas von der geballten Kraft seines Motors erahnen. Der schicke Flitzer soll europäischen Sportwagen das Fürchten lehren.

Die eigentliche Bewährungsprobe steht dem neuen Flitzer allerdings noch bevor. Auf den international renommierteren und etablierten Automobilsalons dieser Welt, von Frankfurt über Genf bis Detroit, muß er erst noch beweisen, ob er das Zeug dazu hat, die Europäer das Fürchten zu lehren. Wir dürfen gespannt sein, wie das neue Gefährt dort ankommt. Ein erster Schritt ist jedenfalls getan.

Auf der Rückfahrt vom Ausstellungsgelände geraten wir mit dem Taxi in die um diese Zeit in Bangkok vorherrschende unvermeidliche Rush-hour. Es geht weder vorwärts noch rückwärts. Dabei drängt sich unvermittelt weniger die Frage auf, ob es ausgerechnet solch ein Auto ist, auf das die Welt noch gewartet hat, oder ob der eigentliche Skandal nicht eher die Tatsache ist, daß wir uns trotz begrenzter Ressourcen in nahezu allen Metropolen dieser Welt immer noch Zustände wie diesen leisten?

Lothar W. Brenne-Wegener

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